21.10.2020

Belebung der City

Im Fussbad nach Downtown

Wenn der deutsche Wirtschaftsminister in die Vollen geht, heisst es nicht Helm aufsetzen und Ärmel hochkrempeln sondern eher Fussbadzeit mit Knabbergebäck.

Schon zu besten Lockdownzeiten wurde von Altmeier ein grandioser Coup in Richtung deutschem Kleinunternehmertum gelandet. Damals versprach man den kleinen- bis mittelständigen Betrieben eine kostenfreie Unternehmensberatung.

Diese war zu dem Zeitpunkt auch grundlegend nötig und über zehntausend Berater krempelten die Ärmel hoch. Gemeinsames Ziel war, den Großteil der über 97% aller deutschen Unternehmen durch und aus der Krise zu helfen.

Nachdem man das Ganze schön populär verbreitet hatte, war es erstmal Zeit für ein Fussbad.

In Weißwasser wurde zur Stärkung der regionalen Struktur per ausgeklügelter Video-Pressekonferenz eine Zweigstelle eröffnet. Für Berateranträge oder Beratungsanträge war man aber zu träge.

Auch hatte man den einzigen Taschenrechner im Ministerium verborgt, sodass man die Zahl der zu erwartenden Anträge mal einer üblichen Beratungssumme nicht ausrechnen konnte. Schließlich verkündete man ein paar Monate später, nachdem es ziemlich kalt an den Füßen wurde, dass die versprochene Unternehmensförderung ja gar nicht zu leisten sei. Seitdem liegt über den bis jetzt noch nicht abgeschlossenen BAFA-Debakel ein großes feuchtes Saunahandtuch.

Also liebe Angestellten und Unternehmer im innerstädtischen Einzelhandel, auch ihr in spe. Wenn der Wirtschaftsminister euch jetzt Hilfen für eure dringenden Herausforderungen anbietet, ist große Obacht geboten.

Schon bei dem Satz „Es geht nicht darum, den Online-Handel gegen den Einzelhandel auszuspielen“ solltet ihr zusammenzucken. Es könnte sein, dass hier jemand spricht, der die Füße in einem zu heißen Fußbad stecken hat.

Denn einen Unterschied zwischen Einzelhandel und Onlinehandel gibt es gar nicht. Der Onlinehandel ist auch Einzelhandel, so wie der Anruf über Handy ein Anruf bleibt, auch wenn er nicht übers Festnetz getätigt wurde.

Die Frage lautet also nicht, wie kann ich alte Geschäftsmodelle mit Staatshilfe am Leben erhalten oder zum Schein „digitalisieren“, sondern wie können ganz neue Geschäftsmodelle entstehen, welche die Innenstädte nachhaltig beleben.

Auch kommt bei diesem Thema ein arg kalter Gegenwind aus einer ganz anderen Ecke. Viele Kommunen verbauten sich schließlich schon weit vor Corona ihre Cityidylle durch überdimensionierte Einkaufstempel vor ihren Stadttoren, auf der grünen Wiese. Für viele stationäre Händler schon je ein aussichtsloser Kampf gegen motorgetriebene Windmühlen. Klar wurde so das Eintauchen nach Downtown zur Steppenwanderung.

In der gestrigen Ministerrunde diskutierten schließlich besagte Gemeindevertreter, Verbände und Einzelhändler via Streaming über „Best-Practice Beispiele“ aus dem In- und Ausland gegen das aktuell verschärfte Ladensterben. Der Grundtenor lautete aber auch hier: "Digitalisierung". 

Als dann eine Summe von zirka 100 Millionen Euro für einen Digitalisierungsfonds gefordert wurde, viel dem Minister grad der Taschenrechner in sein Fußbad. Auch Forderungen nach einer Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten wurden wie Badesalz verflüchtigt.

Liebe, über drei Millionen kleinst- bis mittelständige Unternehmen in Deutschland. Rafft euch selbst zusammen. In den jetzigen Zeiten demonstriert nur der öffentliche Dienst gegenüber dem öffentlichen Dienst für mehr Geld. Auch deswegen müsst ihr mit euren Mitarbeitern, Kunden und Geschäftspartnern gemeinsam Lösungen entwickeln. Diese aber bitte für die Zukunft und nicht nur bis zur Bundestagswahl im nächsten Jahr.

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