02.11.2020

Deutsche Apotheken weiter 90er

Vor-Ort-Apotheken vs. Innovation

Du bist krank und benötigst eine Medizin. Was du genau an Arznei in welchen Mengen nehmen sollst, schreibt dir dein Arzt vor. Mit einem ausgedruckten Papierschein gehst du dann zur Apotheke und holst dir dort deine Medikamente ab.

In Zeiten der Digitalisierung ein recht umständlicher und fehleranfälliger Prozess.

Früher hat der Apotheker vor Ort die Medizin auch noch selber angemixt. Heutzutage übernehmen dies seine Kollegen in den großen Pharmaunternehmen. Dessen Präparate gibt er nur noch heraus. Daneben verkauft er Präparate, Salben und Mittelchen, welche auch in jedem Drogeriediscounter angeboten werden.

Das Berufsbild des Apothekers vor Ort ist also dem eines Verkäufers gewichen.

Dazu kommt noch, das es in deutschen Apotheken defakto keinen Wettbewerb gibt. Denn in deutschen Apotheken herrscht das deutsche Arzneimittelpreisrecht. Demnach dürfen diese bei der Abgabe von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln keine Boni oder Rabatte gewähren.

Jedoch gilt dieses deutsche Recht nicht für Versandapotheken mit Sitz in einem anderen Mitgliedstaat der Europäischen Union, welche in den deutschen Markt liefern. Diese dürfen laut Urteil des Europäischen Gerichtshofs bei der Abgabe von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln in Deutschland Boni oder Rabatte gewähren.

Im Fokus der aktuellen Viruskrise steht die akute Vermeidung der Ansteckungsgefahr. Dem Beziehen von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln in einer Apotheke, gegebenenfalls noch mit Barzahlung, sind somit riesige Fragezeichen angehaftet.

Jetzt ist die Notwendigkeit eigentlich ganz klar ersichtlich, den Workflow von Arztverschreibung bis Arzneimittelerhalt an das 21. Jahrhundert anzupassen, beziehungsweise zu digitalisieren. Außerdem müsste man deutschen Versandapotheken den europäischen Wettbewerb durch ein erfolgreiches Heimatgeschäft versüssen.

Statt diese Maßnahmen sowie andere notwendige Änderungen im Gesundheitssystem anzugehen, hat die Bundesregierung nun ein „Gesetz zur Stärkung der Vor-Ort-Apotheken“ veröffentlicht.

Nach diesem gelten für Rezepte gesetzlich Krankenversicherter zukünftig gleiche Preise unabhängig davon, ob sie diese in der Apotheke vor Ort oder über eine EU-Versandapotheke beziehen.

Versandapotheken dürfen gesetzlich Versicherten auch keine Rabatte mehr auf verschreibungspflichtige Arzneimittel gewähren.

Der Deutsche Apothekerverband und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung sollen neue pharmazeutische Dienstleistungen vereinbaren. Als Beispiel wird  die „intensive pharmazeutische Betreuung bei einer Krebstherapie oder die Arzneimittelversorgung von pflegebedürftigen Patienten in häuslicher Umgebung“ genannt.

Dafür sollen durch eine Änderung der Arzneimittelpreisverordnung 150 Millionen Euro Staatsgelder bereitgestellt werden.

Ausserdem dürfen Apotheken, welche Rezepte an gesetzlich Krankenversicherte ausliefern, für ihren Botendienst einen zusätzlichen Betrag in Höhe von 2,50 Euro je Lieferort und Tag geltend machen.

Zum Glück dürfen gesetzlich Versicherte weiter frei ihre Apotheke wählen.

Ob dieses lobbyistisch daherkommende und bürokratielastige Gesetz auf Dauer bestehen wird, darf gern angezweifelt werden.

Hast du eine revolutionäre Idee bei der Arzneimittelversorgung oder möchtest aus dem Apothekergeschäft in eine andere Tätigkeit wechseln, dann frage gern ein entsprechendes Coaching bei uns an. Bist du schon auf deinem nächsten Schritt, helfen wir dir gern bei deiner Lebenslauferstellung oder deiner Bewerbungen oder gar Kündigung.