30.11.2020

Wer braucht ein Homeoffice-Gesetz?

Dein mobiles Arbeiten weiter in Gefahr

Altes gegen neues Arbeiten, der Kampf geht weiter.

Ob du im "Homeoffice" oder "mobil arbeitest" ist ein gravierender Unterschied.

Als Heimarbeiter im "Homeoffice", musst du zu deiner Arbeitszeit ständig an deinem häuslichen Arbeitsplatz erreichbar sein. Im Garten oder auf dem Sofa arbeiten ist auch bei dir zuhause nicht erlaubt. Denn schließlich muss dein Arbeitgeber auch deinen Schreibtisch bei dir zu Hause auf arbeitsschutzrechtliche Standards überprüfen und dich belehren.

Arbeiten in einem Café, im Park, im Coworking oder wo auch immer du es als produktiv erachtest, ist nur beim sogenannten „mobilen Arbeiten“ möglich. Dies ergibt in der Praxis durch die veralteten Arbeitsgesetze und -Regelungen aber immer wieder Reibungspunkte.

Ein großes Thema ist der Arbeitsunfall. Hier hätte die Gesetzgebung schon längst handeln und die Berufsgenossenschaften öffnen müssen. Wie in anderen Ländern schon üblich, müsste sich eine gesetzliche Unfallversicherung über 24 Stunden und auch in der Freizeit erstrecken.

Ein weiterer Zankapfel sind die Arbeitszeiten. Es gibt Studien, die eine mobile Arbeit verteufeln, weil angeblich extreme Überstunden aufgebaut werden. Andere sehen in einer Vertrauensarbeitszeit die Zukunft des agilen und projektorientierten Arbeiten verwirklicht. Im Vertrauen arbeitet man, wo man möchte und wie lang man selbst benötigt.

Dem politischen Machtgefüge aus Gesetzgebern, Gewerkschaften, Kammern, Arbeitslosenversicherung, Berufsgenossenschaften bis hin zur maroden Rentenversicherung ist das mobile Arbeiten jedoch ein Dorn im Auge.

Vorgenannte Systeme aus industriellen Zeiten gehören schon seit über 30 Jahren reformiert, umgewandelt oder demokratisch digitalisiert. Statt dies endlich umzusetzen, versuchen vorgenannte Strukturen weiterhin ihre Klüngel zu erhalten. Ein erster offensichtlicher Versuch, Reformen durch neue Regularien zu vermeiden, war das blumig angepriesene „Homeofficegesetz“ vom deutschen Arbeitsminister.

Nachdem dieses von den Regierungspartnern abgewunken wurde, sind nicht etwa grundständige Reformen hin zu einem mobilen Arbeiten erfolgt. Nein, nach dem Motto „jeder Tropfen höhlt den Stein“, hat der Arbeitsminister seinen Kollegen jetzt erneut ein abgewandeltes "Homeofficegesetz" vorgelegt.

Dieses sieht nun keine Mindestanzahl an Tagen mehr vor, die Beschäftigte zu Hause arbeiten können sollten. Beschäftigte sollen jetzt ihren Arbeitgeber mindestens drei Monate vor der beabsichtigten Homeoffice-Arbeit schriftlich darüber informieren, wann der Beginn, die Dauer, Umfang und Verteilung der Heimarbeit sein soll.

Darauf soll der Arbeitgeber dann eine Vereinbarung mit dem Antragstellenden treffen. Kann dem Wunsch nicht entsprochen werden, sieht der aktuelle Gesetzesentwurf eine Begründungsfrist von zwei Monaten vor. Verstreicht diese Frist ohne Reaktion, soll der mitgeteilte Wunsch des Arbeitnehmers sechs Monate lang gelten. Hat der Arbeitgeber den Antrag auf Homeoffice fristgerecht abgelehnt, soll erst nach vier Monaten ein neuer gestellt werden dürfen.

Das Arbeitgeber die Arbeitszeit ihrer Beschäftigten auch im Homeoffice erfassen müssen, bleibt weiterhin bestehen. Das die legale Überwachung dann auch wirklich durchgeführt wird, soll eine Strafe von bis zu 30.000 Euro sicherstellen.

Ebenso müssen Arbeitgeber weiterhin eine Gefährdungsbeurteilung des Arbeitsplatzes beim Heimarbeitenden zuhause vornehmen. Es scheint also fraglich, ob sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber dies antun wollen. Auch wenn die Unfallversicherung im Homeoffice an die im Aussendienst tätigen Mitarbeiter angepasst werden soll.

Weiterführende Regelungen sollen die Gewerkschaften mit den Arbeitgeberverbänden treffen. 

Warum man aus Arbeitnehmer- wie auch aus Arbeitgebersicht so ein streng regulierendes Gesetz benötigt, bleibt weiterhin zweifelhaft. Zumal es auch in keiner Weise die Zukunft des Arbeiten abbildet. Dieses ist nämlich nicht das "Homeoffice" sondern das freie "mobile Arbeiten".

Nachhaltiges und agiles Wirtschaften wird mit einem Homeoffice schwer möglich sein, da es auf alte und verkrustete Strukturen aufbaut. Dies wird auch nicht durch einen aktuell verkündeten Steuerfreibetrag für Homeoffice verbessert.

Denn gleichzeitig zur erneutem Vorlage des "Homeofficegesetz" ist ein steuerlicher Freibetrag von 5 Euro pro Homeofficetag aufgeploppt. Was natürlich nicht heißt, dass man 5 Euro pro Tag mehr zur Verfügung hat. Lediglich die Einkommssteuerlast kann durch diesen Betrag etwas gesenkt werden.

Klar ist auch noch nicht, für wieviel Tage dieser Steuerfreibetrag angerechnet werden kann. Im Gespräch sind 100 bis 120 Tage. Ebenso unklar ist, ob es sich bei der Homoffice-Steuerpauschale nicht um einen medienwirksamen Rummel handelt.

Denn schon jetzt kann man Aufwendungen für sein Homeoffice voll oder bis zu einem bestimmten Freibetrag steuerlich absetzen. Es liegt also nah, dass die medienwirksame Homeoffice-Steuerpauschale einfach nur als weitere Möglichkeit in bestehende Freibeträge integriert wird, ohne diese zu erhöhen.

Bist du startklar für das "mobile Arbeiten“? Dies erfährst du gern in einem persönlichen Coaching. Bist du schon auf deinem nächsten Schritt ins Arbeiten der Zukunft, dann helfen wir dir gern beim einfachen Erstellen deines Lebenslaufs, deiner Bewerbungen oder gar Kündigung.